FRAGEN / LIEFERANTEN-INTERVIEW15 FRAGEN · 6 PRÜFFELDER
Technischer Einkauf · Kunststoffspritzguss

Erst fragen. Dann vergeben.

Ein gutes Lieferantengespräch erzeugt keine möglichst glatte Präsentation, sondern überprüfbare Antworten: Wer hat welches Risiko erkannt, wie wird es nachgewiesen und was passiert bei einer Abweichung?

Explosionsdarstellung eines Kunststoffgehäuses mit Werkzeug, Granulat, Prüfgerät und Mehrwegtray01 / MACHBARKEIT02 / WERKSTOFF03 / WERKZEUG04 / QUALITÄT05 / KAPAZITÄT06 / LIEFERKETTE
EIN LIEFERTEIL, SECHS GESPRÄCHSRICHTUNGEN

Die 15 Fragen für das Gespräch

Fragen Sie nicht nur nach einem Ja oder Nein. Verlangen Sie den Gedankengang, den vorgesehenen Nachweis und die Person, die später verantwortlich ist. Gute Antworten dürfen Risiken enthalten; entscheidend ist, ob sie konkret, konsistent und belegbar sind.

01

Welche drei technischen Risiken sehen Sie zuerst?

Guter Beleg: markierte Zeichnung mit Priorität, Ursache und Klärungsweg.

Warnsignal: «Kein Problem» ohne Rückfragen.

02

Welche Geometrieänderung würden Sie vor Werkzeugbau empfehlen?

DFM-Kommentar zu Wandstärke, Entformung, Rippen, Anspritzung und Toleranzen.

Pauschale Forderung ohne Bezug zur Funktion.

03

Welcher Werkstofftyp ist vorgesehen – und warum?

Anforderungsabgleich zu Klima, Medien, Mechanik, Oberfläche und Nachweisen.

Nur ein Polymer-Kürzel ohne konkrete Type.

04

Welche Alternativen sind freigegeben?

Definierter Änderungs- und Bemusterungsweg für Hersteller, Type, Farbe oder Rezyklat.

Austausch «nach Verfügbarkeit» ohne Zustimmung.

05

Wo und von wem wird das Werkzeug gebaut?

Benannter Werkzeugmacher, Spezifikation, Stahl, Heisskanal und Abnahmeort.

Unklarer Unterauftrag ohne technische Schnittstelle.

06

Wem gehört das Werkzeug und wie wird es gekennzeichnet?

Vertrag, Inventarnummer, Standort, Zubehörliste und Herausgaberegel.

Eigentum nur über eine Rechnungsposition erklärt.

07

Welche Bemusterungsstufen sind eingeplant?

Werkzeugstände, Messumfang, Prozessfenster, Musterzahl und Freigabeverantwortung.

Ein einziges «Gutteil» ohne dokumentierten Prozess.

08

Wie entsteht der Prüfplan?

Verknüpfung von Funktion, Zeichnungsmerkmal, Risiko, Messmethode und Frequenz.

Standardbericht unabhängig vom Bauteilrisiko.

09

Wie wird das stabile Prozessfenster nachgewiesen?

Dokumentierte Parametergrenzen, Einflussgrössen und Wiederholnachweis.

Nur ein Sollwert ohne zulässigen Bereich.

10

Wie werden Charge und Produktionslos rückverfolgt?

Materialcharge, Maschine, Werkzeugstand, Prozessdatensatz und Prüfergebnis verbunden.

Rückverfolgung endet am Lieferschein.

11

Welche Kapazität ist für unser Programm reservierbar?

Maschinenfenster, Schichten, Kavitäten, Zyklus, Anlaufkurve und Engpassprozess.

Jahreskapazität ohne Bezug zu Los und Spitzenbedarf.

12

Was fällt bei Maschine oder Werkzeug aus?

Ersatzmaschine, kritische Ersatzteile, Reaktionszeit und Wiederanlaufplan.

Allgemeiner Notfallplan ohne projektspezifische Abhängigkeit.

13

Welche Schritte werden extern vergeben?

Unterlieferanten für Werkzeug, Veredelung, Prüfung, Montage und Transport benannt.

Verantwortung verschwindet zwischen mehreren Parteien.

14

Wie laufen Änderungen und Abweichungen?

Schriftliche Freigabe vor Umsetzung, Versionsbezug und klarer Eskalationsweg.

Mündliche Zustimmung oder Information erst mit Lieferung.

15

Wie sieht die erste Lieferung praktisch aus?

Terminplan, Verpackung, Kennzeichnung, Dokumente, Incoterm und Wareneingangsplan.

Preis und Lieferwoche ohne definierte Übergabedaten.

Antworten auswerten

Beleg schlägt Eindruck.

Bewerten Sie jede Antwort nach derselben Skala. Ein Lieferant mit transparenten offenen Punkten kann belastbarer sein als ein Anbieter, der jede Frage sofort bejaht.

0Keine AntwortAusweichend, widersprüchlich oder ohne verantwortliche Stelle.
1BehauptungPlausible Erklärung, aber kein konkreter Projektbezug oder Nachweis.
2VorgehenBenannter Prozess, Rolle, Termin und vorgesehenes Dokument.
3BelegRelevantes Beispiel oder aktueller Nachweis plus klare Übertragung auf das Projekt.
Das Gespräch ist erst abgeschlossen, wenn offene Punkte einen Besitzer haben.

Halten Sie Frage, Antwort, Beleg, Restpunkt, Verantwortliche und Fälligkeit in einem gemeinsamen Protokoll fest. So wird aus dem Anbietertermin eine prüfbare Vergabegrundlage.